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Pavel Kryz

Mikroskopische Bildernetze. M.Juříková, 1996, Galerie Pecka, Austellung 9X

Er gehört zu interessanten Persönlichkeiten unserer Malerszene. Seine Ausstellung in dieser Galerie bestätigt die heute schon deutliche und sympathische Bestrebung des Besitzers und Kurators Jaroslav Pecka nach Präsentation der merkwürdigen Persönlichkeiten, die außerhalb der Hauptströmungen stehen und ihre Werke zurückgezogen schaffen. Pavel Kryz steht schon am Anfang seiner Künstlerlaufbahn auf der anderen Seite als die meisten Vertreter der Generation der 80-er Jahre. Er konzentriert sich auf kontemplative Malerei, die das Erlebnis der urbanistischer Landschaftsstruktur rekapituliert. Schwere, natürliche Töne werden bald leichter und in seine Bilder tritt eine Atmosphäre ein,die dem Mark Tobey´s meditativen Tragismus ähnlich ist. Diese kaligrafische Technik hat allerdings immer individuelle Handschrift. Diese konzentriert gebaute Struktur ist in seinen Bildern bis heute unübersehbar. 1994 hat er in der Galerie Nová síň ein interessantes Projekt vorgestellt, bei dem er ein fotografisches Porträt benutzt hat. Das Multipelporträt von einem der ersten Filmstars des amerikanischen Filmes –Glorie Swanson- umhüllt er von einem blauen gestischen Netz. Er beschäftigt sich mit dem Problem der Identität durch das Porträt einer berühmten, jedoch in Medien selten präsentierten Persönlichkeit. Die Serienmultipli­kation des alten Porträts der geistreichen, geheimnisvollen Schauspielerin ruft Oszillation zwischen der verlorenen, vergangenen und der aktuellen Zeit hervor. Aus ähnlichen Impulsen stammen auch seine Bilder des Zyklus Neun X in der Galerie Pecka. Der Autor arbeitet hier aber im Gegensatz zu dem "Pilotenprojekt" mit neun weiteren Archivporträts. Wie schon der Titel selbst signalisiert, will er diesmal die Identität radikal bestreiten. Die Identität geht verloren, nicht nur dank der vielfachen Wiederholung und Manipulation mit der Aufnahme, sondern vor allem dank der komplizierten Partitur der Handschrift des Malers. Zu jedem Porträt gehören ein spezifischer ornamentaler Raster und ein farbiger Akkord. Nur einige Details der Porträts bleiben mit dem Netz der Tusch-und Pinselzeichnung unbedeckt und ihr wiederholter Ausschnitt ist ein Bestandteil der Textur jedes Bildes. Kryz konzentriert sich wieder auf den eigenen Prozes der Bildergestaltung, wie er es noch vor der Präsentation in Nová síň gemacht hat. Trotzdem bleibt sein Bild nicht nur auf der Basis einer schönen Materie der kunstfertigen und feinfühligen Struktur. Der Autor zeigt viele Schichten seiner eigenen visuellen Erfahrung, die alle merkwürdigen Strukturen in unserer Umgebung fixiert-in der Landschaft, in der Natur und ihren Details, in Gegenständen und ihren Fragmenten. Der Zuschauer nimmt die Energie wahr, mit der der Maler das fast mikroskopische Netz seiner Bilder schafft.

Magdalena Juříková