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Pavel Kryz

Malerische Wandlungen von Pavel Kryz, J.Kapusta junior, 2006

Malerische Wandlungen von Pavel Kryz

Pavel Kryz hat im Jahre 1984 im Atelier des Prof. Karel Souček an der Kunstakademie in Prag sein Studium absolviert. Er hat die Schule verlassen und seine Künstlerlaufbahn als Maler seiner Zeit begonnen, allerdings nicht als Opfer ihrer Einflüsse und Drücke, die in den 70-er und 80-er Jahren auf seine Generation gewirkt haben. Er hat alles auf seine eigene Empfindung, seine Meinungen und auch auf die künstlerische Tradition gesetzt. In dieser Zeit hat er schon Wandmalereien restauriert, am häufigsten Ornamente in der klassizistischen Architektur. Er hat dabei Ordnung, Bauordnung, Linearismus und Dekoration der Bauten wahrgenommen und akzeptiert.Die Wirkung der Architektur kann man in seinen Zeichnungen, Grafiken und Bildern finden, und zwar in dem generellen Raster, der Hauptkonstruktion des Werkes. Die Elemente der Architektur und malerische Ornamente findet man dann in ihren Details, im Rhythmus und Farbigkeit. Es ist für seine Bilder von Ende der 80-er Jahre typisch, die auf dem Prinzip des Teilmotives und seiner rhythmischen Wiederholung in der ganzen Bildfläche aufgebaut werden. Manchmal überwiegen monumentalisi­erender linearer Rhythmus und strenge Geometrie, öfter findet man aber darunter eine freie nervige Zeichnung, die die Gefühle von historischen Ornamenten und Mustern umformt, für deren Ästhetik und Wirkung er ein großes Verständnis zeigt. Diese spielerischen, mit Geduld und Lust gemalten Bilder basieren ganz auf der zeichnerischen Mentalität.

Seit 1990 kommt an die Oberfläche der Bilder seine bis jetzt latende malerische Sinnenempfindung. Farbig spezifischere Flächen tragen eine Pinselzeichnung mit dem aus der Natur abgeleiteten Inhalt. In die Bilder dringen Sinnlichkeit und sinnliche Wahrnehmung durch, man sieht abstrahierte Pflanzeninspi­rationen und aus Fotos präzisierte Frauen. Ein sich immer wiederholendes Symbol, jetzt auch geometrisch–abstrakt, figurales Symbol, kommunizert in einer anderen Perspektive mit dem farbig feinen Hintergrund. Die Bilder der 90-er Jahre sind eine Harmonisierung von dekorativen Mustern, geometrischer Abstraktion und zeichnerischen und malerischen Kreationen. Die Bilder, die mit einem Kontrast von der flachen Fotografie und darauf aplizierten Malerei rechnen, stehen in einer merkwürdigen Raum und Ornamentalexpres­sion. Es ist aber deutlich zu sehen, dass seine Malerei vorläufig in der Position eines satten, dynamischen, meistens monochromen Zeichnens mit der Farbe bleibt, das durch eine ornamentale und geometrische Ordnung organisiert, limitiert und ausbalanciert wird.

Im Jahre 2001 malt Pavel Kryz mit dem Aquarell die Bilder Äpfel und Birnen. Von den vorigen Bildern unterscheiden sie sich dadurch, dass er hier zum ersten Mal, anders als nur mit einem Foto des Frauenaktes, malerisch die Realität zeigt. Außerdem lässt er von den Früchten, ganz gegen seine Gewohnheit, die Farbe frei herabfließen. Diesen Prozes wiederholt er auch auf anderen Bildern. Obwohl sie sich das Aussehen und die Stimmung mehr oder weniger freier Tapetenmuster oder Wandmalerei-Dekoren bewahren, bedeuten sie in seinem malerischen Werk einen Wendepunkt. Er stört heir seine bis jetzt gepflegte künstliche Ordnung der fehlerlosen, ästhetisch und technisch perfekten dekorativen Malerei, er bringt freies Malen. Seit 2003 schafft er eine Reihe von Bildern mit laviertem Aquarell auf getönte Leinwand, in denen er schrittweise alles frei macht, was bis jetzt in den Bildern seriös komponiert wurde. Seine Handschrift ist nicht mehr so fest, farbig diszipliniert und sie lockert sich in einer ausgelassenen aber sicheren Malerei, die zum Schluss auch auf Fotos verzichtet. Auch einzelne Motive wiederholen sich nur beschränkt. Er beginnt seine Malerei scharfsinnig zu regenerieren.

Pavel Kryz war immer der Meinung, dass das Bild zu Leuten gehört und ihnen Freude machen sollte. Diese Idee hat er von Anfang an erfüllt. Er hat also keine Bilder gemalt, die die Leute iritieren oder quälen. In seinem Werk ist die uralte Ästhetik des Wandornaments der Wohninterieurs eindeutig wichtig. Er lässt sich von der Schönheit und der bildenden Kunst fesseln und strebt sich die heutige Kunst zu vermenschlichen, und zwar durch Gestaltung des harmonischen Kontrastes zwischen dem traditionellen bildenden Kunst und dem modernen Denken und Malen. Es ist gut zu sehen, wie er sich über seine eigene Adaptierung des Ornaments in allen seinen Formen freut. Er zeigt auch ganz deutlich sein Verhältnis zur Figur, indem er schöne körperliche Frauenformen in das Bild einfügt und das Prinzip der Kollage dabei verwendet. Er arbeitet damit, wie er momentan will, also nur wie mit einem Ornament, einem perfekten körperlichen Zeichen, einem Symbol, das die malerische Realität auffrischt und sie in eine andere Realität entwickelt.

In den 80-er und 90-er Jahren bildet Pavel Kryz eine geometrisch-dekorative Welt mit multiplizierten und figuralen Elementen in der ganzen Fläche des Bildes, eine Landschaft der reinen bildenden Kunst, in der er erfasst, was er danach mit einer freigewordenen malerischen Sprache verkörpert. Im 2004, als ob er vergessen hätte, was er früher machte. Mehrmals malt er Berge. Sumare Anblicke auf verschneite Gebirgspanoramen akzentieren die unruhige Konturenlinie der Horizonte und große kalte Valeur-Flächen. Die Transposition der Realität des Gebirgsreliefs in feine, farbig sanfte Bilder ohne Perspektive ermöglicht ihm eine schöne japanisierende kaligraphische Stilisierung. Ähnlich gelingt es ihm mit Bildern der Hündchen im Schnee. Dann malt er mit augenblicklicher Sicherheit die Bilder Odaliske und Venus, imposante Variationen der Frauenakte von den Meistern des Klassizismus und der Renaissance Ingres und Giorgione, wo er die feste klassische Malerei um freie, fröhliche Positionen erweitert. Es entstehen auch weitere Bilder, das durch Konturen konzentrierte figurale Portrait Hana und malerisch souveräne Torten, die schon vom dekorativen Hintergrund ganz befreit sind.

Kurz nach 2000 malt Pavel Kryz Sonntagsnachmittag. Mit diesem Bild beginnen in seinem Werk die Stimmung, die Atmosphäre des Ortes und tägliche Gefühle allgemein eine wichtige Rolle zu spielen. Mit momentanen Impulsen für Bilder hängt selbstverständlich ihre Themen-Verschiedenheit zusammen. Die Folge ist die definitive Ablehnung der bis jetzt universalen Konstruktion des Werkes, das Ergebnis sind keine klare Schärfe mehr und Entstehung einer rührenden, lyrisch expressiven Malerei. Der Maler benutzt verschiedene Stile und seine handschriftliche und farbige Diktion der Stadtlandschaften mit einem menschlichen Element ändert er von Fall zu Fall auch diametral. Gefühle und Stimmungen der Tageszeit, des atmosphärischen Stands und der Konstellation des Ortes überträgt er aber mit dem Aquarell auf die Leinwand oder aufs Papier immer locker und mit malerischem Geschmack. Im letzten Jahr bildet er Inspirationen für seine Expressionen künstlich. Mit Absicht benutzt er den Kontrast zwischen Schärfe und Weichheit der Formen und Linien und in der Destruktion der Wirklichkeit geht er weiter vor. Vom TV-Bildschirm gewinnt er einen beliebigen, mit Kamera verstümmelten Moment der Realität des menschlichen Lebens oder der Umgebung und mit Hilfe von Computer arbeitet er mit unschärfen Details durch die Optik des Auges. Er empfindet auf diese Art und Weise die vermittelte figurale Realität wie eine Abstraktion, genauso wie er früher an den Wänden eine ähnliche Rolle des historischen Ornaments wahrgenommen hat.

Jan Kapusta Ml.