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Pavel Kryz

K výstavě obrazů v Kutné Hoře

A. Rezler, Felix Jenewein-Galerie der Stadt Kutná Hora, Vlašský dvůr, 6.5. – 24.5.2009

Der Maler Pavel Kryz wird 1959 in Prag geboren. Er hat in Jahren 1978–1984 an der Prager Kunstakademie im Atelier des Prof. Karel Souček Malerei studiert. Nach diesem Studium hat er zur figuralen Malerei und Zyklizität inkliniert, er wurde wohl auch von dem ehemaligen Mitglied der Gruppe 42 beeinflusst, was sich in seiner heutigen Zivilthematik zeigt. In seinem freien Werk spiegeln sich auch seine Restaurieren-Erfahrungen, Kontakt mit historischer Architektur, Sinn für Ordnung und Dekor. Diese Einflüsse finden wir in seiner Malerei jedoch eher vor dem Jahr 2000. Der Grund seines ganzen Werkes sind neben der Zeichnung auch Sinn für Farbe und malerische Gestaltung.

Seit 1985 hat Pavel Kryz Einzelausstellungen (z.B. Klub der Schriftsteller, 1985; Institut der makromolekularen Chemie, 1987), in den neunziger Jahren vor allem in neuen Prager Privatgalerien mit eindeutig profiliertem Ausstellungsprofil wie z.B. Galerie Béhémot (1992), Galerie Pecka (1996, 1998, 2009), Galerie Nová síň 1994 oder Václav Špála-Galerie (2006). Pavel Kryz widmet sich auch der Zeichnung und Plastik, seine Domäne bleibt jedoch Malerei.

Wenn wir die Möglichkeit haben, die Formen der gegenwärtigen Malerei zu verfolgen, finden wir die Quellen, die das konkrete Werk und den Autor immer beeinflussen. Es scheint, dass in den letzten Jahren in der Malerei bestimmte Tendenzen und Bedürfnisse immer stärker zu finden sind, die Künstler wollen sich aktuell zur Frage des Erlebens der Intimität ausdrücken. Der französische Soziologe Henri-Pierre Jeudy klasifiziert gegenwärtige politische Escapaden, Reality-Show der Medien und Banalisieren des Privatlebens mit dem Ziel kollektive Emotionen zu provozieren wie ein Triumph der Demagogie Die Kunst als Abbild der Zeit arbeitet mit allem, was angeboten wird, und benutzt die Fähigkeit die Erscheinungen zu ästhetisieren, auch wenn diese negativ sind.

Die Werke von Pavel Kryz können wir zur Malerei zuordnen, die auf die Antagonismen der Zeit, auf die unklare Stellung des Individuums reagiert. Der Maler zeigt es in Bildern voll von Nostalgie, absichtlicher Einsamkeit, seltenen Augenblicken der Relaxation in Kombination mit Szenen, die sich auf die Visualität des Filmes und Fotos stützen. Seit 2005 benutzt er die Kombination von Aquarell un Akryl, die die ausgewählte Szene durch die Form der fotografischen Aufnahme in einigen Konturen umschreibt. Die Bilder sind aber formal ganz autonom, voll von Sicherheit, Sinn für Detail und Komposition.

Von der älteren freien Strategie des fantasken rhythmisierten Bildes Strand aus dem Jahre 2004, das noch auf die freie malerische Gestaltung hinweist, kommen wir chronologisch zu Arbeiten aus dem Jahr 2005. Kühlere feine Töne der grünen und graublauen Flächen wirken in den Natur-Szenen mit Figuren rafiniert (Letná, Relax, 2005). Eine Sonderkategorie bilden die Werke aus den Jahren 2006–2009, die teilweise formal aber auch inhaltlich auf den amerikanischen Realismus der Kriegs und Nachkriegszeit hinweisen, der mit Gefühlen der Einsamkeit und Isolierung arbeitet. Die Bilder von Pavel Kryz (Pause, 2008; Im Zimmer, 2009) erinnern an Werke von Edward Hopper (1882–1967) oder Andrew Wyeth (1917–2009). Sie erinnern an ihre Nostalgie, melancholische Schönheit des Alltagslebens, anonyme Gestalten in besonderen Perspektiven und im besonderen Licht.

Die teilweise kalkulativen Strand-Bilder –z.B.Gespräch (2008) oder Akt (2008) erinnern an die Namen Mark Peterson, Daniel Poller und Eric Fischel. Die Exotik der Sonne und des Meeres wird heute vielleicht schon banal, es ist allerdings eine lockende Möglichkeit einer Flucht aus der Realität. Die Attraktivität ihres Inhaltes kannten und kennen sehr gut die "american beach painting" oder "coastal landscape art"-Autoren. Die Nachtheit und Erotik der Sommerstrände in den Kryz Bildern sind aber nicht kontrovers, wie es bei Fischel funktioniert, und sie mahnen die gesellschaftliche Apathie gegen perverse Beziehungen nicht, sie wirken eher dokumentaristisch, frei und ermutigen den Zuschauer die Farben wahrzunehmen. Die amerikanische Strand-Malerei wird formal mit unterschiedlichsten Zeichen des Realismus verbunden, von Hyperrealismus bis zu seinen freieren und persönlicheren Äußerungen, wie es eben bei Pavel Kryz zu sehen ist. Es ist deutlich, dass die heimische Tradition in der tschechischen Kunst heute überschritten wird und die gegenwärtige tschechische Malerei eine Chance hat, sich in die internationalen Kontexte einzugliedern, wie sie es schon am Anfang des 20. Jahrhunderts in der Zeit des Modernismus geschafft hat.